Konfigurationsmanagement für IT-Projekte


Das Konfigurationsmanagement (KM) umfasst vor allem die Einrichtung einer Versions- und Release-Verwaltung. Nur durch werkzeugunterstützte Versionsverwaltung ist ein Arbeiten an größeren Projekten durch eine Vielzahl von Entwicklern überhaupt noch denkbar. PVCS von MERANT, CCC/Harvest von Platinum (CA) oder SourceSafe von Microsoft sind dafür geeignete Werkzeuge.

Versionsverwaltung bedeutet, dass alle relevanten Dokumente und Programmbestandteile mit ihrem jeweiligen Änderungsstand archiviert und dokumentiert werden. Dies bedeutet, dass jederzeit ein Überblick der aktuellen Versionen aller Dateien vorhanden ist (d.h. es wird nicht mit veralteten Dokumenten bzw. Modulen gearbeitet) und dass bei Bedarf mit älteren Versionen verglichen werden kann (für die Analyse von Fehlern). Weiterhin bietet sich die Möglichkeit zwischen den Versionen einer Datei zu unterscheiden, die sich in unterschiedlichen Phasen der Software-Entwicklung befinden (z.B. Version 10 befindet sich in der Entwicklung, Version 9 im Systemtest und Version 8 bereits in Produktion).

Release-Verwaltung heißt, dass die einzelnen Release (Auslieferungsstände) der Applikation dokumentiert und verwaltet werden. D.h. bei Bedarf kann auf einen älteren Release-Stand zurückgegriffen werden (z.B. wenn sich ein neues Release trotz Test als fehlerhaft erweist). Ein Release dokumentiert die Versionsnummern aller Dateien, die benötigt werden, um das System zu einem bestimmten Zeitpunkt ausliefern zu können. D.h. das Release 5.0.0 des Systems beinhaltet z.B. die Version 3 der Datei "applicat.dll" die Version 7 der Datei "applicat.exe" und die Version 2 der Datei "manual.doc".

Eine einfache Versionsverwaltung kann wie in diesem Beispiel dargestellt realisiert werden:

VersionsverwaltungIm RepositoryZur Beschreibung des vorhergehenden Begriffs des KM-Werkzeugs (engl. SCM-Tool) werden alle Dateien des Projektes abgelegt. Nur dort befinden sich die Originaldateien. 

1 - Um eine Datei zu bearbeiten muss sie ausgecheckt (Check-Out) werden und erhält dadurch im Repository den Status "gesperrt".

2 - Ein zweiter Entwickler kann die gleiche Datei nun nicht nochmals auschecken, da diese den Status "gesperrt" hat. Es ist jedoch möglich die Datei zum Lesen auszuchecken (z.B. da sie für die Übersetzung der Applikation benötigt wird).

3 - Nach den notwendigen Änderungen wird die Datei wieder eingecheckt (Check-In) und automatisch vom KM-Tool eine neue Version gebildet (wenn sich etwas geändert hat). Der Status "gesperrt" wird wieder entfernt.

4 - Bei jeder neuen Dateiversion wird diese automatisch in ein Netzwerk-Verzeichnis kopiert (nur zum Lesen). Dadurch können auch Personen, die keinen Zugriff auf das SCM-Tool haben auf die neuesten Versionen zugreifen.

5 - Ein Tester kann die Dateien entweder direkt auf dem Netzwerk oder auf seinem lokalen Rechner testen.


Zusätzlich zur Versionsverwaltung ist es notwendig, alle konfigurationsspezifischen Festlegungen des Projektes zu dokumentieren. Diese Dokumentation wird üblicherweise im sogenannten Konfigurationsmanagement-Plan vorgenommen. Ein KM-Plan umfasst unter anderem die folgenden Punkte:

  • Beschreibung der Entwicklungsumgebung (Verzeichnisbaum, Compiler-Einstellungen, Versionsnummern von Zukaufsoftware, benötigte Klassenbibliotheken, ...)
  • Beschreibung der benötigten Testumgebung
  • Beschreibung der Produktionsumgebung / Laufzeitumgebung
  • Aufbau der Versionsverwaltung
  • Namenskonventionen für Objekte, Variablen, Dateien, ...
Dokumentvorlage-Symbol Vorlage für einen Konfigurationsmanagement-Plan

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